HörensWert – der Gesundheits-Podcast für Pflegekräfte

Hallo ich bin Timo und heute geht es um die Gesunde Bewegung in der Pflege.

Überlegt zu Beginn selbst: habt Ihr in den letzten vier Wochen einen schmerzenden Rücken gehabt? Oder habt Ihr andere Beschwerden gehabt, die Euer Muskel-Skelett-System betrafen?
Ausgelöst durch eine einzige blöde Bewegung bei der Mobilisation eines Patienten oder Bewohners; beim Tragen einer vollen Wasserkiste; oder beim Runterbeugen zum Medikamentenschrank?

Eine Studie der BGW besagt, dass jede zweite Pflegekraft in den zurückliegenden vier Wochen Beschwerden der Lendenwirbelsäule hatte.
Aber führt die Arbeit als Pflegekraft tatsächlich immer zu Rückenbeschwerden?

Ich möchte euch in dieser Folge für eine bewusste und gesunde Bewegung im Pflegealltag stärken. Dafür gebe ich Euch konkrete Beispiele mit, wie Ihr Euch gesund bewegen könnt – im Pflegealltag und auch in der Freizeit.
Jede Pflegekraft weiß: den einen »normalen« Arbeitstag gibt es nicht.  Man weiß vorher nie, wie sich die Schicht gestaltet – wie viele Schritte gegangen werden oder welche körperlichen Belastungen einen erwarten.
Der Alltag in der Pflege ist zunächst – na klar – von typisch pflegerischen Tätigkeiten geprägt: Ihr steht am Pflege- oder Krankenbett, Ihr arbeitet meist nach vorn gebeugt. Ihr müsst Euch bücken, Ihr hebt, Ihr tragt, Ihr dreht Euch. – Ihr stützt euch ab. – Ihr lehnt euch mit dem Oberkörper nach vorn. – Ihr lagert die Patienten oder Bewohner, unterstützt beim Aufstehen oder beim Gehen. – Ihr schiebt Hilfsmittel, positioniert diese passend.

Neben diesen ganzen Punkten, gibt es noch weitere Bewegungen, die Ihr jeden Tag ausführt. Nur eben nicht mehr ganz so pflegespezifisch. In den meisten Fällen sind die einem gar nicht so bewusst. Eben weil sie so alltäglich sind.

  • z. B. das Sitzen, also wenn ihr eure Doku am Schreibtisch macht
  • Oder auch ganz alltäglich, das Gehen: z. B. über die Station oder den Wohnbereich
  • Genauso selbstverständlich auch das Stehen: z. B. wenn Ihr Medikamente stellt.
  • Fragt euch auch einmal: habt Ihr schonmal das Telefon zwischen Ohr und Schulter geklemmt, um nebenbei noch etwas zu erledigen?

All diese Beispiele zeigen, wie viel und auch wie vielseitig ihr euch jeden Tag bewegt. Deswegen ist es wichtig, dass aus eurer Bewegung eine gesunde und bewusste Bewegung wird.

Wo aber genau fängt man an?
Zuallererst bei Eurer eigenen Sicherheit:

  • Euch kann bestimmte Kleidung an einer freien Bewegung hindern. Das kann z. B. eine Hose sein, mit der man sich nicht gut bücken kann. Oder auch ein Cardigan, mit dem man gefühlt überall hängen bleibt. Bedenkt die Punkte, falls Eure Arbeitskleidung nicht gestellt werden sollte.
  • Tragt Schuhe, die nicht nur bequem sind, sondern die euch auch einen festen Halt geben! Und achtet unter anderem auch darauf, dass die Schuhe wasserabweisend sind und die Sohle rutschfest ist.
  • Stellt Hilfsmittel bitte nicht nur immer passend für Euch ein, sondern auch fest! So können sie nicht wegrollen.

Soviel zur sicheren Bewegung. Für eine bewusste und gesunde Bewegung ist es aber auch wichtig, die Arbeit im Pflegealltag so gut wie möglich zu organisieren. Es kann vor einer Tätigkeit zum Beispiel helfen, wenn

  • Ihr Euch die Utensilien zur Grundpflege sinnvoll vorbereitet und bereitlegt. Als kurze Anregung eine Frage: Wie häufig ist es schon vorgekommen, dass Ihr mitten in der Grundpflege vom Patienten- oder Bewohnerbett nochmal weggehen musstet, weil ihr etwas vergessen habt? – Eine bestimmte Creme aus dem Badezimmer, die frische Wäsche aus dem Kleiderschrank oder auch die Zahnbürste?
  • Überlegt vor dem Beginn der Tätigkeit auch, ob ein zusätzliches Hilfsmittel die Arbeit erleichtern würde. Wie viel leichter wäre die Mobilisation z. B. mit einem Stehlifter?
  • Vielleicht hilft es auch manchmal, dass ein Kollege unterstützt. So könnt Ihr euch gegenseitig helfen und entlasten.

Der wohl wichtigste Aspekt zur gesunden und bewussten Bewegung ist jedoch die eigene Bewegung in der Pflegesituation selbst. Dazu zählt zum Beispiel erstmal

  • ein angemessenes Arbeitstempo; Hauruck-Verfahren solltet Ihr also auf keinen Fall anwenden! Unabhängig davon, ob es sich um einen Patienten oder Bewohner – oder auch einfach eine Kiste handelt. Wenn ihr also jemanden oder etwas mobilisieren möchtet, macht es auf alle Fälle ohne Schwung – und bewusst.
  • Verteilt Lasten auch am besten gleichmäßig; versucht also nicht, alles mit dem z. B. »starken« linken Arm zu tragen. Hier geht es auch um die Gewichtsverlagerung vom eigenen Körper: hebt immer aus den Beinen – schont euren Rücken!
  • Vermeidet sowieso jeden unnötigen Kraftaufwand und versucht wirklich, nicht gebückt zu Arbeiten. Das strengt euren Körper nur zusätzlich an.
  • Versucht möglichst körpernah zu arbeiten, um die Bewegung nicht aus den Armen oder den Rücken durchzuführen. Stellt euch dazu einmal vor, ihr tragt auf jeder Seite 1,5 Liter Wasserflaschen. Was würde euch denn nach kurzer Zeit schwerer fallen? Sie weit vom Körper weg zu halten oder nah bei euch?

Denkt im Alltag daran: als gesunde Körperhaltung gilt ein hüftbreiter Stand mit leicht gebeugten Knien, ein gerader Rücken, bei leicht angespannter Rücken- und Bauchmuskulatur. So sind Wirbelsäule und der Rumpf bestmöglich stabilisiert.

Jetzt möchte ich euch noch zeigen, wie Ihr Hilfsmittel in die Pflege integrieren könnt und euch dadurch gesund bewegen könnt:

  • Zunächst ist es sehr wichtig, dass Ihr mögliche Unsicherheiten aus dem Weg schafft! Wisst ihr nicht, wofür das Hilfsmittel genutzt werden soll, wie häufig der Akku geladen werden soll oder wie Ihr das Hilfsmittel am besten von A nach B bringt: fragt Kollegen, interne Medizinproduktbeauftragte oder das Sanitätshaus, mit dem Eure Einrichtung zusammenarbeitet. Nur so könnt Ihr das Hilfsmittel gut nutzen und auch wirklich sinnvoll einsetzen! Sonst könnt ihr auch einschätzen, für welche Patienten oder Bewohner das Hilfsmittel wirklich geeignet ist.
  • Überlegt vor der Nutzung eines Hilfsmittels, ob die räumlichen Gegebenheiten eine Nutzung auch wirklich zulassen. Ist der Raum also überhaupt groß genug für einen Lifter? Wo sollte der Toilettenstuhl stehen, sodass er keinen Weg versperrt?
  • Gehen wir davon aus, dass ihr die Drehscheibe für einen Transfer nutzt. Beachtet hier immer die körperlichen Grenzen der pflegebedürftigen Person! Inwieweit sich der Betroffene auf den Beinen halten oder sich festhalten kann ist ganz individuell, das wisst ihr. Lasst ihm Zeit und gebt ihm die Möglichkeit die eigenen Ressourcen einzusetzen. So könnt ihr dann gemeinsam und gezielt die Bewegung durchführen – und Ihr nehmt der pflegebedürftigen Person Unsicherheiten.
  • Aber das Wichtigste bei Hilfsmitteln: Nutzt sie! Dadurch, dass Ihr sie nutzt werdet Ihr routinierter und sicherer!

Bis jetzt haben wir viel über die gesunde Bewegung am Arbeitsplatz gesprochen. Natürlich könnt ihr die Tipps aber auch auf eure Freizeit übertragen.

Schafft Euch also eine gesunde Bewegungsroutine – bei der Arbeit und zu Hause.

  • Ihr könnt nach dem Aufstehen und vor dem Schlafengehen beispielsweise Dehn- und Mobilisierungsübungen durchführen. Streckt euch im Ganzen aus, dehnt die Arme, versucht mit den Fingerspitzen die Fußspitzen zu berühren. Seid kreativ – aber bleibt dabei.
  • Nehmt jeden Tag vor dem Spiegel mindestens einmal eine aufrechte Haltung ein. So könnt Ihr ein besseres Gefühl für eure eigene Körperhaltung bekommen.
  • Auch wenn es durch die Bewegung im Pflegealltag schwerfällt: Integriert Bewegung gezielt in Eure Freizeit. Macht gemeinsam mit Freunden Sport. Sucht Euch etwas, das euch Spaß macht und ausgleicht. Verbindet mit Bewegung ein positives Gefühl. Als kleiner Tipp: Habt die Sporttasche am besten bereits fertig gepackt.

Stimmt es jetzt also, dass die Arbeit als Pflegekraft tatsächlich immer Rückenbeschwerden zur Folge hat?

Wir wissen jetzt, dass die Gleichung nicht ganz so einfach ist. Grundsätzlich stehen Pflegekräfte vor einer Menge körperlichen Belastungen. Eine gesundheitsbewusste Bewegung kann der Entstehung von Muskel-Skelett-Erkrankungen aber langfristig vorbeugen.

Zur Umsetzung lässt sich für Euch also zusammenfassen:

  • Bewegt euch sicher und bewusst,
  • nutzt Hilfsmittel zielgerichtet und
  • integriert gesunde Bewegung auch in eure Freizeit!

Dabei wünsche ich viel Spaß. Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.

Das war HörensWert – der Gesundheits-Podcast für Pflegekräfte im Rahmen von WERTGESCHÄTZT – einer Initiative von Betriebskrankenkassen.