HörensWert – der Gesundheits-Podcast für Pflegekräfte

Hallo, ich bin Timo.
Heute geht es um »Kommunikation im Pflegealltag«.

Vielleicht hat der ein oder andere von Euch den Spruch von Paul Watzlawick auch schonmal gehört: »Man kann nicht nicht kommunizieren.«

In dieser Folge möchte ich Euch zeigen, was es mit dem Spruch auf sich hat: wir sprechen darüber, wie wichtig Kommunikation in der Pflege ist und wie Ihr sie gezielt einsetzen könnt – innerhalb des Teams, aber auch im Austausch mit Patienten oder Bewohnern.

Wir kommunizieren alle – täglich – immer wieder: als Pflegekraft innerhalb des eigenen Teams, mit anderen Berufsgruppen der Einrichtung, mit Patienten und Bewohnern, Angehörigen, mit externen Dienstleistern. In der Pause, beim Umziehen vor Dienstbeginn, im Patienten- oder Bewohnerzimmer, auf dem Flur. Persönlich, telefonisch oder auch per Mail. Mit Worten. Oft auch nur mit Gestik und Mimik. Kommunikation ist einfach überall.

Bei der Kommunikation geht es auch nicht nur um einen sachlichen Austausch und die Information allein. Jede Kommunikation findet nämlich auch immer auf einer gewissen Beziehungsebene statt. Das Zwischenmenschliche spielt eben auch eine nicht unerhebliche Rolle. Und da die Sach- und die Beziehungsebene so eng miteinander verbunden sind, kann die Kommunikation im stressigen Pflegealltag häufig eine Herausforderung sein.

Damit Ihr bewusster im Pflegealltag kommunizieren könnt, zeige ich Euch, wie Euch die verbale und auch die nonverbale Kommunikation helfen können.

Beginnen wir mit der verbalen Kommunikation. Sie ist erstmal das, was die meisten Menschen unter »kommunizieren« verstehen. Wir nutzen Worte, um uns miteinander bzw. gegenseitig zu verständigen und das machen wir täglich, hunderte Male. In den meisten Fällen suchen wir nicht bewusst nach Worten – wir fangen einfach an zu reden.

Trotzdem gibt es bestimmte Dinge bei der verbalen Kommunikation, auf die Ihr bewusst achten könnt:

  • Erstmal kommen Botschaften immer besser an, wenn Ihr sie in der Ich-Form verpackt. Ihr könnt eure Gefühle und Bedürfnisse so einfach besser ausdrücken. Versucht doch mal euer Anliegen im nächsten Teammeeting bewusst in der Ich-Form zu formulieren.
  • Und aus Eurem Berufsalltag kennt Ihr die Situation wahrscheinlich auch: ein Kollege informiert Euch zwischen Tür und Angel auf dem Flur über eine Neuaufnahme. Nehmt Euch für diese Gespräche aber wirklich bewusst Zeit. Versucht auch selbst immer Informationen in vollständigen Sätzen zu verpacken. Klingt logisch, oder? Eigentlich ja, aber fragt Euch mal, wie häufig Ihr selbst auch nur einzelne Informationen weitergebt – eben, weil es »schnell« gehen muss.
  • Und genau da sind wir beim nächsten Punkt. Gerade Wörter wie »schnell«, »dringend« und »müssen« helfen Euch als Pflegekraft bei der Arbeit nicht so richtig. Entsteht da bei Euch nicht auch ein unnötiger Druck? Versucht also, solche Wörter in Gesprächen zu vermeiden.
  • Ein weiterer, wichtiger Tipp zur verbalen Kommunikation in der Pflege: beschreibt Euer Anliegen immer möglichst konkret. So könnt Ihr Verallgemeinerungen vermeiden und Ihr lauft auch nicht Gefahr, eurem Gegenüber unterschwellig Vorwürfe zu machen.
  • Und als letzter Tipp: redet immer mit der Person aus dem Team, die es auch tatsächlich betrifft – nicht über sie.

Dann gibt es noch, neben der verbalen Kommunikation, die nonverbale. Und dazu zählt eben unsere Gestik, Mimik – ja, die gesamte Körpersprache.

Ihr wisst selbst am besten, wie verschränkte Arme vorm Körper eines Patienten oder Bewohners auf Euch wirken. Abweisend, desinteressiert, vielleicht sogar bedrohlich. Dann stellt es Euch auch anders herum vor: wie wirkt Ihr auf Euer Gegenüber, wenn Ihr mit verschränkten Armen z. B. vor dem Kranken- bzw. Pflegebett steht? Versteht die verschränkten Arme jetzt nur als kleines Beispiel. Die Haltung der Hände, der Beine, die Neigung des Oberkörpers – auch mit Gestik kommunizieren wir – eben nicht nur mit Sprache.

Zu der nonverbalen Kommunikation gehört neben der Gestik auch die Mimik. Mit den Veränderungen unseres Gesichtsausdrucks können wir nicht nur unsere eigenen Gefühle und Gedanken zeigen, sondern auch ein Gefühl dafür bekommen, wie es unserem Gegenüber geht. Ist der Patient oder Bewohner überrascht, ist der Angehörige verunsichert, ist mein Kollege verärgert?

Schaut mal im Pflegealltag, welche positive Wirkung eine bewusste nonverbale Kommunikation haben kann. Was passiert zum Beispiel, wenn Ihr mit einem Lächeln ins Patienten- oder Bewohnerzimmer geht oder mit einer offenen Körperhaltung über den Flur?

Bis jetzt habe ich Euch viele Tipps zur Körpersprache gegeben. Die Tipps könnt Ihr im Dienst selbst nutzen, aber eben auch, wenn Ihr Euch privat mit einem Freund unterhaltet.

Aber: es gibt natürlich auch Methoden, die besonders in der Pflege helfen können. Ich möchte Euch jetzt eine Methode vorstellen, mit der Ihr strukturierte Infos zu Patienten oder Bewohnern weitergeben könnt: der sogenannten SBAR-Methode.

Die SBAR-Methode kann Euch helfen auch im stressigen Pflegealltag strukturiert zu kommunizieren. Ihr könnt Euch also in der Übergabe, in Gesprächen mit einem Arzt, aber auch in einer Notfallsituation an ihr orientieren.

Aber was konkret verbirgt sich hinter den einzelnen Buchstaben der SBAR-Methode? Und wie sollen uns diese Buchstaben dabei helfen, in der Pflege erfolgreich zu kommunizieren?

Beginnen wir mit dem S. Das steht für Situation. Hier geht es darum, kurz und knapp zusammenzufassen, was eigentlich passiert ist. Stellt Euch z. B. vor, Ihr schildert einem Kollegen in der Übergabe eine Situation vom Vormittag: Ein Patient oder Bewohner ist aus dem Bett aufgestanden, um das Fenster zu öffnen. Das ist erstmal unsere Ausganssituation.

Der nächste Buchstabe, das B steht für Background. Es geht hier also darum, den Hintergrund zu beschreiben. In unserem Beispiel würde das Folgendes bedeuten: die Person, die das Fenster geöffnet hat, durfte eigentlich gar nicht das Bett verlassen bzw. aufstehen – nach ärztlicher Anordnung.

Das A steht für Assessment, also für Eure persönliche Einschätzung. Lasst uns nochmal auf unser Beispiel schauen. Ihr seid jetzt also der Meinung, dass die Person die Gefahr nicht richtig erkannt hat und auch uneinsichtig war.

Kommen wir zum letzten Buchstaben, dem R. Das R steht für Recommendation, also die Empfehlung zum Umgang mit der Situation. Ihr würdet in unserem Beispiel dann also Eurem Kollegen in der Übergabe empfehlen, dass er häufiger das Zimmer aufsucht, um nach dem Patienten oder Bewohner zu sehen. Es geht hier um eure persönliche Empfehlung. Ein richtig oder falsch gibt es also nicht.

Fassen wir nochmal zusammen: Alle Buchstaben der SBAR-Methode sind grundlegend für eine erfolgreiche Kommunikation. Vielleicht hilft es Euch, wenn Ihr sie Euch für den Pflegealltag als eine Art Leitfaden vorstellt.

Ich hoffe, dass die Tipps für die verbale und nonverbale Kommunikation Euch im Pflegealltag zukünftig gut unterstützen. Und vielleicht eignet sich die SBAR-Methode für Euch – probiert sie doch einfach mal selbst aus – schaut, wie sie für Euch am besten funktioniert und in welchen Situationen sie Euch eine gute Struktur geben kann.

Und wie ich am Anfang schon sagte: »Man kann nicht nicht kommunizieren«.

Das war HörensWert – der Gesundheits-Podcast für Pflegekräfte im Rahmen von WERTGESCHÄTZT – einer Initiative von Betriebskrankenkassen.