Im optimalen Fall leisten Ihre Mitarbeitenden gute Arbeit; sie arbeiten selbstständig, sind motiviert und konzentriert. In der Realität – das wissen Sie selbst am besten – kann das schon mal etwas anders aussehen: ein Teil Ihrer Mitarbeitenden hat private oder gesundheitliche Sorgen, manche fühlen sich überfordert oder erleben Konflikte im Team. Manchmal sind es auch fehlende Erfahrung oder Kompetenzen, aufgrund dessen Aufgaben nur unzureichend erledigt werden. Führungskräfte haben in solchen Situationen die Verantwortung zu handeln und das persönliche Gespräch zu suchen. Doch insbesondere, wenn es um Leistungsprobleme oder den Umgang mit psychisch belasteten Mitarbeitenden geht, erleben Führungskräfte die Gesprächsführung als herausfordernd. Dabei die Balance zwischen Förderung und Forderung der Mitarbeitenden zu finden, ist oftmals gar nicht so einfach.

Genau dabei möchten wir Sie in dieser Lektion unterstützen und Ihnen zeigen, wie Sie auch kritische Mitarbeitergespräche konstruktiv und wertschätzend gestalten können.

DEESKALATION IN VIER SCHRITTEN

Eine achtsame und wertschätzende Kommunikation ist gerade bei der Führung von herausfordernden Gesprächen unerlässlich. Der amerikanische Psychologe Dr. Marshall Rosenberg hat hierfür mit der »gewaltfreien Kommunikation« eine wirkungsvolle Kommunikationsmethode entwickelt. Durch die einfache und klare Strukturierung von Gesprächen können Sie den Ansatz wirkungsvoll im Arbeitsalltag einsetzen. Auch spannungsgeladene Gespräche können Sie so kurzerhand deeskalieren.1

Der Weg zu einer gewaltfreien Kommunikation besteht aus folgenden vier Schritten. Mehr über die einzelnen Schritte erfahren Sie durch das Anklicken der Felder.

1. BEOBACHTUNG SCHILDERN

Beschreiben Sie möglichst konkret die Handlung, die Sie beobachtet haben und die Ihr Wohlbefinden beeinträchtigt.

2. GEFÜHLE BENENNEN

Beschreiben Sie die Gefühle, die durch die Handlung bei Ihnen ausgelöst wurden.

3. BEDÜRFNISSE SCHILDERN

Formulieren Sie Ihre Bedürfnisse, welche hinter den Gefühlen stehen.

4. BITTE / WUNSCH ÄUßERN

Formulieren Sie Ihren Wunsch oder Ihre Bitte um eine konkrete Handlung. Nichterfüllung ist in Ordnung.

AUF IN DIE PRAXIS: KRITIKGESPRÄCHE FÜHREN

Zum Führungsalltag gehört stets auch der kommunikative Umgang mit »schwierigen Situationen«. Insbesondere als Führungskraft sind Sie immer wieder mit Konfliktsituationen konfrontiert und müssen die Übersicht behalten und zu einer Lösung des Problems gelangen. Erfahren Sie hier, wie Sie  lösungsorientiert mit Konflikten umgehen und Kritikgespräche leichter führen können. Lernen Sie, Konflikte als Chance für Veränderungen zu nutzen.

PRAKTISCHE TIPPS ZUR VORBEREITUNG AUF EIN KRITIKGESPRÄCH10,11

1. Zielklärung

  • Bestimmen Sie Ihr Gesprächsziel und fragen Sie sich: Wie kann ich mein Ziel erreichen?

2. Rahmenbedingungen und Atmosphäre gestalten

  • Wählen Sie Zeit und Ort des Gesprächs sorgfältig aus.
  • Planen Sie das Gespräch unter vier Augen, ohne Störungen und Unterbrechungen, mit genug Zeit ein.
  • Schaffen Sie eine freundliche Atmosphäre, z. B. an einem runden Tisch mit Kaffee.
  • Sie sollten in guter Verfassung sein und selbst nicht unter Zeitdruck stehen.
  • Gehen Sie auf den Mitarbeitenden zu, aber überfallen Sie ihn nicht mit Ihrem Anliegen. Vereinbaren Sie ggf. einen Gesprächstermin.
  • Achten Sie von Anfang an auf einen wertschätzenden und freundlichen Kontakt!

Möchten Sie weitere praktische Tipps zur Durchführung von Kritikgesprächen erhalten? Mehr erfahren Sie in der Präsentation.4,5

Voriger
Nächster

UMGANG MIT BELASTETEN BESCHÄFTIGTEN: DAS H-I-L-F-E-KONZEPT

Mitarbeiterorientierte Führung stärkt die Ressourcen und verringert durch die Gestaltung von gesundheitsgerechten Arbeits- und Organisationsbedingungen auch die Belastungssituation für die Beschäftigten. Dennoch können Ihre Mitarbeitenden immer wieder mit belastendenden Situationen konfrontiert sein, die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben. Unabhängig davon, ob Sie die Ursachen im privaten oder beruflichem Bereich vermuten: Wenn Ihre Beschäftigten Überlastungssymptome oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen, sollten Sie genau hinsehen und handeln. Führen Sie zeitnah ein erstes fürsorgliches Gespräch und spiegeln Sie dem Mitarbeitenden offen, konstruktiv und wertschätzend Ihre Beobachtungen wider. Nutzen Sie dafür Ich-Botschaften: »Mir ist aufgefallen, dass Sie in letzter Zeit…«

Eine gute Orientierung für die Gesprächsführung und den Umgang mit betroffenen Mitarbeitenden bietet das H-I-L-F-E-Konzept.6 Mehr Informationen dazu erhalten Sie in folgender Präsentation.

Voriger
Nächster

Grundsätzlich gilt: Nehmen Sie sich bewusst Zeit für Ihre Mitarbeitenden. Dabei steht mehr die Qualität der Gespräche als die Quantität im Vordergrund. Trauen Sie sich nachzufragen, wie es Ihren Mitarbeitenden geht. Versuchen Sie eine Balance zwischen Über- und Unterforderung der Mitarbeitenden zu finden. Ein authentisches, empathisch geführtes Gespräch mit aktivem Zuhören drückt Wertschätzung aus. Das wird Ihr Team stärken und bei der Bewältigung des Arbeitsalltags unterstützen.

AUF IN DIE PRAXIS: SYSTEMISCHE FRAGEN7

Wenn sich ein Gespräch im Verlauf festgefahren hat, bieten sich sogenannte systemische Fragen als ein hilfreiches Werkzeug an. Bei diesen Fragetechniken geht es weniger um einen wissensbezogenen Erkenntnisgewinn, sondern vielmehr darum…

  • dem Gesprächspartner zu helfen, neue Möglichkeiten zu erkennen,
  • zum Nachdenken anzuregen und
  • eingefahrene Bahnen zu verlassen.

Sie regen Ihren Gesprächspartner an, über den Horizont hinauszudenken und zu fantasieren. Wunderfragen helfen vor allem, in festgefahrenen, scheinbar ausweglosen Situationen, doch noch eine Lösung zu finden. Nicht selten führen die damit verbundenen positiven Gefühle und Gedankenspiele zu neuer Motivation beim Befragten.

  • »Angenommen heute Nacht käme eine Fee/ ein Zauberer und würde das Problem lösen, was genau wäre dann morgen anders?«
  • »Wer würde als erstes erkennen, dass das Wunder über Nacht geschehen ist, und woran?«

Mit diesem Frageansatz können Sie gleich zwei Ziele erreichen: Erstens können Sie die Komplexität einer Situation reduzieren. Zweitens können Probleme eingeordnet und relativiert werden und somit individuelle Einschätzungen besser messbar gemacht werden.

  • »Wenn der perfekte Arbeitstag eine 10 ist: Wie schätzen Sie Ihren heutigen Arbeitstag dann ein?«
  • »Wie ordnen Sie Ihre derzeitigen Arbeitsbedingungen im Vergleich zu Ihren vorherigen Arbeitsbedingungen ein?«
  • »Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie hoch ist die Arbeitsbelastung / das Arbeitsvolumen für Sie gerade?«

Mit diesen Fragen können Sie die Aufmerksamkeit konstruktiv auf mögliche Lösungen lenken, statt darüber zu sprechen, was alles nicht gut funktioniert. So können auch bisher ungenutzte Ressourcen und Möglichkeiten identifiziert werden.

  • »Was brauchen Sie bzw. was muss passieren, damit Sie sich bei der Arbeit wohl fühlen?«
  • »Was ist erforderlich, damit Sie die aktuelle Herausforderung erfolgreich bewältigen können?«

Systemische Fragen sind auch in herausfordernden Situationen für die Mitarbeiterkommunikation bestens geeignet. Probieren Sie es aus!

AUF EINEN BLICK: WIE SIE DIE KOMMUNIKATION MIT MITARBEITENDEN VERBESSERN KÖNNEN

Zum Abschluss der Lektion fassen wir die zentralen Empfehlungen zur erfolgreichen Gesprächsführung mit Mitarbeitenden für Sie zusammen:8

  1. Nehmen Sie das Anliegen des Mitarbeitenden ernst.
  2. Bauen Sie Ihre kommunikative Kompetenz aus.
  3. Sorgen Sie für Verständlichkeit.
  4. Erwerben Sie Fragekompetenz.
  5. Kommunizieren Sie respektvoll und geduldig.
  6. Beteiligen Sie den Mitarbeitenden an Entscheidungen.
  7. Nehmen Sie die Perspektive der Mitarbeitenden ein.

ABSCHLUSS

Lassen Sie die Inhalte dieser Lektion in Ihren Alltag einfließen und gestalten Sie Gespräche mit Mitarbeitenden auf Augenhöhe. Wir wünschen Ihnen ein gutes Einander-Verstehen!

  1. Rosenberg, M. (2016). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Paderborn: Junfermann Verlag.
  2. Baller, G., & Schaller, B. (2017). Kommunikation im Krankenhaus – Erfolgreich kommunizieren mit Patienten, Arztkollegen und Klinikpersonal. Berlin: Springer Gabler.
  3. Alter, U. (2018). Grundlagen der Kommunikation für Führungskräfte. Mitarbeitende informieren und Führungsgespräche erfolgreich durchführen (2. Auflage). Berlin: Springer.
  4. Alter, U. (2018). Grundlagen der Kommunikation für Führungskräfte. Mitarbeitende informieren und Führungsgespräche erfolgreich durchführen (2. Auflage). Berlin: Springer.
  5. Baller, G., & Schaller, B. (2017). Kommunikation im Krankenhaus – Erfolgreich kommunizieren mit Patienten, Arztkollegen und Klinikpersonal. Berlin: Springer Gabler.
  6. Mätschke, M., Sebbesse, S., Siewerts, D., & Zechert, C. (2015). Psychisch krank im Job: Verstehen. Vorbeugen. Erkennen. Bewältigen (3. Auflage). Berlin & Bonn: BKK Dachverband e. V. & Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker.
  7. Reiber, W. (2013). Vom Fachexperten zum Wissensunternehmer. Wissenspotentiale stärker nutzen, die persönliche Wirksamkeit erhöhen. Berlin: Springer Gabler.
  8. In Anlehnung an Kutscher, P. P. (2013). Die Arzt-Patienten-Beziehung. Sieben Tipps, wie Sie die Kommunikation mit den Patienten verbessern. Deutsches Ärzteblatt, 110(29), 2-4.

Weiterführende Informationen:

https://www.bkk-dachverband.de/gesundheit/gesundheitsfoerderung-selbsthilfe/betriebliche-gesundheitsfoerderung-bgf/psychisch-krank-im-job/